Wahrscheinlich ein Notfall
- Rufen Sie sofort einen Tierarzt oder eine Tierklinik an — auch mitten in der Nacht.
- Erbrechen NICHT selbst auslösen ohne tierärztliche Anweisung (kann bei manchen Giften schaden).
- Notieren Sie wenn möglich — Was wurde gefressen? Wie viel? Wann?
- Tier ruhig und warm halten — Aufregung beschleunigt die Giftaufnahme.
- Sicherheit zuerst: Warnblinker an, Sicherheitsweste anziehen, Tier von der Fahrbahn bringen wenn sicher möglich.
- Wildunfall ist meldepflichtig — Polizei (110) verständigen und Wildschadensbescheinigung erhalten.
- Verletzte Haustiere sofort in eine Tierklinik bringen — innere Verletzungen sind oft nicht sichtbar.
- Tier warm halten, ruhig sprechen, nicht alleine lassen.
- Überprüfen Sie die Schleimhäute (Zahnfleisch) — blau, weiß oder grau = sofort zum Notarzt.
- Tier ruhig halten und nicht stressen — Aufregung erhöht den Sauerstoffbedarf.
- Kein Wasser oder Futter geben.
- Sofort in die nächste Tierklinik fahren — Atemnot kann sich rasch verschlechtern.
- Tier nicht festhalten — Sie könnten sich oder das Tier verletzen.
- Gefährliche Gegenstände aus dem Weg räumen, weiches Lager bereitstellen.
- Zeit messen — Krampf länger als 3 Minuten oder mehrere Anfälle hintereinander = sofort zum Notdienst.
- Nach dem Anfall ist das Tier oft erschöpft und desorientiert — ruhig bleiben und Tier beobachten.
- Sofort den Tiernotdienst anrufen — Bewusstlosigkeit ist immer ein Notfall.
- Atemwege freihalten — Kopf leicht strecken, Maul vorsichtig auf Fremdkörper prüfen.
- Tier auf die Seite legen (stabile Seitenlage), warm halten.
- Puls und Atmung beobachten — bei Atemstillstand ggf. Wiederbelebung nach Anweisung des Tierarztes.
- Nicht anfassen außer bei unmittelbarer Lebensgefahr — Stress kann das Tier töten.
- Kontaktieren Sie die zuständige Wildtierstation oder das örtliche Veterinäramt.
- Jungvögel am Boden brauchen meist keine Hilfe — Elterntiere sind oft in der Nähe.
- Tierärztliche Notdienste können ebenfalls weiterhelfen oder vermitteln.
Wahrscheinlich kein Notfall
Viele Anrufe beim tierärztlichen Notdienst sind keine echten Notfälle. Mit diesen Hinweisen kannst du einschätzen, ob es bis zum nächsten regulären Öffnungstag warten kann — und hilfst so, den Notdienst für wirklich dringende Fälle freizuhalten.
Kann bis morgen warten, wenn…
- Setzt noch Gewicht auf das Bein, auch wenn es schont
- Keine sichtbare Schwellung, Fehlstellung oder offene Wunde
- Begann nach dem Aufstehen, längerem Liegen oder intensivem Spielen
- Tier leckt die Pfote — möglicherweise ein Fremdkörper (Splitter, Stein, Glas), der sichtbar entfernt werden kann
Jetzt anrufen, wenn…
- Setzt kein Gewicht mehr auf, trägt das Bein dauerhaft hoch
- Sichtbare Schwellung, unnatürliche Stellung des Beins oder offene Wunde
- Verdacht auf Bisswunde — auch winzige Einstichstellen können tiefe Gewebeschäden verbergen
- Schmerzen nehmen innerhalb von Stunden deutlich zu
- Möglicher Knochenbruch nach Sturz oder Aufprall
Tipp: Schau dir die Pfote bei guter Beleuchtung genau an — Fremdkörper zwischen den Zehen lassen sich oft selbst entfernen. Ist kein Fremdkörper erkennbar und das Hinken bessert sich nicht bis zum nächsten Morgen, sollte ein Tierarzt die Ursache abklären. Bisswunden immer tierärztlich behandeln: das Fell verdeckt häufig tiefere Verletzungen.
Kann bis morgen warten, wenn…
- Hat eine Mahlzeit übersprungen, ist aber noch aktiv und aufmerksam
- Trinkt noch ausreichend Wasser
- Kein Erbrechen, kein Durchfall, kein aufgeblähter Bauch
- Erkennbare Ursache: Stress (Besuch, Umzug, Lärm), Hitze oder kürzliche Futterumstellung
Jetzt anrufen, wenn…
- Seit mehr als 24 Stunden (Hund) bzw. 12 Stunden (Katze) keine Nahrungsaufnahme
- Gleichzeitig Erbrechen, Durchfall oder ausgeprägte Teilnahmslosigkeit
- Welpen oder Jungtiere: schon nach 8–12 Stunden handeln — ihr Blutzucker sinkt schnell
- Trinkt ebenfalls kaum noch
- Tier wirkt schmerzbedingt zusammengekauert oder berührt den Bauch ungern
Tipp: Katzen sollten nie länger als 24–48 Stunden fasten — Fettleber (hepatische Lipidose) kann sich schon nach kurzer Zeit entwickeln und ist lebensbedrohlich. Notiere, wann das Tier zuletzt gefressen hat und ob es normal Kot absetzt — der Tierarzt wird beides fragen.
Kann bis morgen warten, wenn…
- Einmal erbrochen, kurz nach dem Fressen (oft reines Futter/Galle)
- Danach wieder ruhig und entspannt, sucht Kontakt
- Kein Blut im Erbrochenen, kein aufgeblähter Bauch
- Möglicherweise zu schnell gefressen — kommt besonders bei Hunden vor
Jetzt anrufen, wenn…
- Mehrfach hintereinander oder in kurzen Abständen, Tier findet keine Ruhe
- Blut oder kaffeesatzartige Substanz im Erbrochenen
- Aufgeblähter, harter oder druckempfindlicher Bauch — mögliche Magendrehung, sofort handeln!
- Tier leckt ständig die Lippen, schluckt zwanghaft oder sabbert ungewöhnlich viel
- Erbrechen zusammen mit Durchfall und starker Schwäche
- Verdacht auf verschluckte Gegenstände (Spielzeug, Knochen, Folien)
Tipp: Nach einmaligem Erbrechen 4–6 Stunden nichts füttern (beim Hund), damit der Magen sich erholt. Danach mit leicht verdaulicher Kost beginnen (gekochtes Huhn und Reis ohne Gewürze). Bei Katzen nur kurze Nahrungspause, da sie rasch eine Fettleber entwickeln können. Wasser in kleinen Mengen anbieten — kein großes Trinken auf einmal.
Kann bis morgen warten, wenn…
- Flache, saubere Wunde unter ca. 2 cm Länge
- Blutet leicht und hört innerhalb von 5–10 Minuten von selbst auf
- Tier zeigt keine starken Schmerzen, lässt die Stelle anfassen
- Klar erkennbare Ursache (Schürfung, kleiner Schnitt an bekannter Stelle)
Jetzt anrufen, wenn…
- Stark blutend oder Blutung stoppt nach 10 Minuten Drücken nicht
- Verdacht auf Bisswunde — auch winzige Einstiche können tiefe Gewebeschäden oder Abszesse verursachen
- Wunde im Gesicht, an oder nahe den Augen oder über einem Gelenk
- Wunde klafft auseinander (Ränder lassen sich nicht annähern)
- Bereits Anzeichen einer Infektion: Rötung, Wärme, Schwellung, Geruch oder eitriger Ausfluss
- Augenverletzung jeglicher Art — immer sofort zum Tierarzt
Tipp: Saubere Wunden mit lauwarmem Wasser oder Kochsalzlösung spülen. Keinen Alkohol, kein Wasserstoffperoxid und kein Jod direkt in die Wunde geben — diese Mittel schädigen das Gewebe und verzögern die Heilung. Bisswunden sind heimtückisch: äußerlich sehen sie oft harmlos aus, das Gewebe darunter kann jedoch erheblich beschädigt sein. Immer tierärztlich abklären.
Kann bis morgen warten, wenn…
- Einmalig weicher Stuhl nach Futterwechsel oder ungewohntem Leckerli
- Tier ist aktiv, trinkt normal und zeigt keine weiteren Symptome
- Kein Blut oder Schleim im Stuhl
- Setzt weiterhin Kot ab (keine vollständige Verstopfung oder Darmverschluss)
Jetzt anrufen, wenn…
- Blut oder viel Schleim im Stuhl
- Mehrfacher Durchfall kombiniert mit Erbrechen — Dehydrierung droht schnell
- Tier trinkt kaum noch und wirkt sichtlich geschwächt
- Welpen, Jungtiere, ältere Tiere oder Tiere mit bekannter Vorerkrankung
- Verdacht auf verschluckte giftige Substanz oder Fremdkörper
- Durchfall dauert länger als 24 Stunden an
Tipp: 12–24 Stunden schonende Kost (gekochtes Huhn und Reis ohne Gewürze oder spezielles Schonkostfutter) helfen dem Darm, sich zu erholen. Sorge dafür, dass das Tier ausreichend trinkt — Dehydrierung ist die häufigste ernsthafte Folge. Keine Humanmedikamente (z. B. Imodium) ohne Rücksprache geben: einige Wirkstoffe sind für Tiere giftig.
Kann bis morgen warten, wenn…
- Gelegentliches Niesen ohne oder mit klarem, wässrigem Ausfluss
- Atmen klingt ruhig und normal, kein Keuchen oder Pfeifen
- Tier ist aktiv, frisst und trinkt wie gewohnt
- Mögliche Ursache: Staub, Pollen, neues Reinigungsmittel oder ein kurzer Reiz
Jetzt anrufen, wenn…
- Sichtbare Atemnot: Tier atmet mit geöffnetem Maul, Flanken pumpen stark
- Schleimhäute (Zahnfleisch, Zunge) sind blass, blau oder gräulich — Notfall!
- Lautes Pfeifen, Rasseln oder Gurren beim Atmen
- Husten mit gelblichem, grünlichem oder blutigem Auswurf
- Tier streckt den Hals vor oder hält den Kopf tief (Versuch, mehr Luft zu bekommen)
Tipp: Kontrolliere die Schleimhäute (Zahnfleisch) — sie sollten rosa und feucht sein. Blass, weiß, blau oder grau bedeutet: sofort zum Notdienst. Klarer Nasenausfluss ist oft harmlos; gelblich-grüner Ausfluss kann auf eine bakterielle Infektion hinweisen und sollte am nächsten regulären Öffnungstag abgeklärt werden.
Kann bis morgen warten, wenn…
- Schläft etwas mehr als üblich, frisst und trinkt aber noch
- Reagiert auf Ansprache, Zuneigung und bekannte Geräusche normal
- Kein Zittern, keine Koordinationsstörungen, kein Taumeln
- Erkennbare Ursache: große Hitze, intensiver Ausflug, neue Umgebung oder kürzliche Impfung
Jetzt anrufen, wenn…
- Kaum noch ansprechbar, reagiert kaum auf Berührung oder Stimme
- Zittern, Muskelzuckungen oder Krämpfe
- Taumeln, Stolpern oder Umfallen ohne erkennbaren Grund
- Plötzlicher starker Verfall ohne erklärbare Ursache
- Apathie zusammen mit Erbrechen, Durchfall, Atemnot oder Schmerzen
Tipp: Notiere, wie lange der Zustand schon anhält und ob weitere Symptome hinzukommen — der Tierarzt wird genau das fragen. Bei älteren Tieren können Schmerzen (z. B. Arthrose) oder beginnende Organprobleme zu erhöhter Schläfrigkeit führen, ohne dass andere offensichtliche Symptome auftreten. Im Zweifel am nächsten Morgen einen Termin machen.